4. Zinsderivate Teil 2

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4.2.4 Echte Pensionsgeschäfte
[siehe auch Aufsatzvorbereitung "REPO"]

KlassischesRepo / US-style Repo

  • Definition
    Übertragung von Vermögensgegenständen gegen Zahlung eines bestimmten Betrags
    Pensionsgeber / Pensionsnehmer
    gleichzeitige Vereinbarung über Übertragung und Rückübertragung
    Quotierung aus Sicht des WP: gebe/nehme WP z.B. 3,60% / 3,55%
    Berechnung der Zinsen wie Geldmarktdepot
    WP-Vereinbarung über "cleanprice" vorne + hinten, aber Kalkulation über "dirtyprice"
    (Dirty=Cash/Nominale)
    WP-Nominale auf 1000 runden und vorne + hinten gleichen WP-Betrag ansetzten
    !
    Laufzeiten = 1Tag bis mehrere Monate
    Eventuelle Margins = ähnlich wie bei der Futurebörse (Initial margin und Margin calls)

    Initial margin (Haircut)
    Einmalige Zahlung in % vom Nominalbetrag

    Margin calls
    zusätzliche,regelmäßige Anpassung des Cashbetrages an den Wert des WP
    (üblich nur bei "Klassischem/US-Style Repo", nicht bei "sell and buy back")

    Triggerpoint
    Betrag, ab dem beim Margin call nach- oder zurückgezahlt wird

    General Collateral
    Wertpapier nicht genau spezifiziert

    Special Collateral
    WP genau bezeichnet, niedrigerer Zins als G.C.

    Wirtschaftlicher Vorteil bleibt beim ursprünglichen Besitzer
    – rechtlicher Besitzer während der Laufzeit ist der Käufer des WP

  • Repos (Repurchase-Agreement) (Verkäufer = wirtschaftlicher Eigentümer)
    Verkauf einer Anleihe mit der Verpflichtung diese Anleihe zu einem späteren Zeitpunkt zurückzukaufen.
    Tausch Anleihe gegen Cash
  • Reverse Repo(Besitzer = rechtlicher Eigentümer)
    Kauf einer Anleihe ...
    Tausch Cash gegen Anleihe. Kuponzahlungen fließen dem Käufer zu,
    der diese jedoch gleich an den Verkäufer weitergibt
  • Ausnahme: Fed begibt Revers Repo, sie nimmt Cash – gibt WP

  • Sell and Buy back (Besitzer = rechtlicher + wirtschaftlicher Eigentümer)
    Cleanprice eines Kassa- und Terminkurses wird bei Abschluß vereinbart aber Dirtyprice wird gezahlt
    Unterschied zu Repo in Berechnung der Kurse (Stückzinsen u.ä.) und es gibt 2 rechtlich getrennte Transaktionen.
    Kuponzahlungen werden erst am Ende der Laufzeit an den ursprünglichen Besitzer aufgezinst unter Berücksichtigung im Schlußkurs zurückgezahlt.

Weitere Repovarianten:

  • Substitutionsvereinbarung
    Verkäufer d.WP kann während der Laufzeit Anleihe zurückfordern
    (nur bei general collateral) und dafür andere ähnlicher Qualität liefern
  • Hold in custody Repo (H-I-C), auch "Trust me Repo" genannt
    Verkäufer verwaltet für Käufer d.WP das Wertpapier auf seperatem Konto.
    Teurer für Verkäufer d.WP, da Käufer des WP ein höheres Kreditrisiko hat
  • Double Dipping= WP wird mehrmals als Sicherheit verwenden

  • Triparty Repo
    Verkäufer liefert an dritte Partei, die diese dann für Käufer verwaltet
    (z.B. administative Aufgaben übernehmen Special Institute)
    Delivery versus payment DVP
    (Cash wird erst geliefert wenn WP da sind)
  • Dollar Repo
    Käufer kann unterschiedliche Papiere fixierter Qualität zurückliefern
  • Floating Rate Repo
    Repo hat fixierte Zinsanpassungstermine, an denen der Reposatz
    an eine im vorhinein fixierte Benchmark(LIBOR) angepaßt wird
  • Open Repo
    Das Geschäft kann von beiden Seiten jederzeit beendet werden
  • Cross Currency Repo
    WP und Cash haben unterschiedliche Währungen. Teurer da höheres Kreditrisiko.
    Normalerweise höherer Haircut
  • Flex Repo
    Cashbetrag kann während der Laufzeit schwanken

Wirtschaftlicher Hintergrund
Rückkaufpreis unabhängig von der Kursentwicklung
folglich kein Instrument zur Spekulation auf Kursänderung
vielmehr ein wertpapierbesichertes Gelddarlehn bzw. ein geldbesichertes Wertpapierdarlehn

zentraler Aspekt
Verlagerung des Kontrahentenrisikos auf das Wertpapier

4.2.5 Financial Swaps

  • Rolle der Banken
    als Arrangeur -> übernimmt kein Risiko (Vermittler)
    als Mittler zwischen zwei Parteien -> Bonitätsrisiko
    als aktiver Partner -> Bonitätsrisiko und Marktrisiko
  • Terminologie
    Festzinszahler (Fixed-rate-payer) -> Swapkäufer
    ahler variabler Zinsen (Floating-rate-payer) Swapverkäufer
    Nominalbetrag -> Zinsberechnunsgrundlage
    Handelstag (Trade-date)
    Starttag/Erstfälligkeit/Valuta (Settlement-date/Effective-date), Start der Zinsberechnung
    • Spot-Swaps -> 2 Bankarbeitstage nach Handelstag Ausnahme: GBP (gleichtägig)
      Forward-Swaps -> Valuta später als Spot-Swap

    Endfälligkeit (Maturity-date) -> letzter Tag der Laufzeit

4.2.5.1 Zinsswap ( Intrest Rate Swaps)

(Forward-Start/Amortising/Step Up/Roller Coaster)

  • Definition
    Vertrag über den Austausch von zwei unterschiedlichen Zinszahlungen in einer Währung
    während eines fixierten Zeitraums; Kapitalbetrag (Notional Amount) wird nicht ausgetauscht
    • Käufer = Festzinszahler
    • Verkäufer = Festzinsempfänger
  • Arten
    Kupon-Swap -> fix gegen variablen Zins ( floating rate)
    Basis-Swap -> Tausch zweier unterschiedlicher, variabler Zinssätze in einer Währung
    Cross-Currency IRS -> Tausch zweier Zinssätze in unterschiedlichen Währungen

4.2.5.1.1 Kuponswaps(Festzins-Swap, Par-Swap. Plain-vanilla-Swap)

    Usancen

  • Quotierung
    auf Basis Referenzzinssatz (z.B. LIBOR) als Festzinssatz
    als Zinsquotierung oder mit einem Spread zur aktuelle Rendite von Staatspapieren
  • Variable Zinszahlung
    Variabler Index -> meist Geldmarktreferenzsatz (EURIBOR etc), meist 3+6 Mth, jedoch frei vereinbar
    Zinsperiode -> Start heute + 2 Banktage
    Zinsfixing-Tag (Reset-date/Fixing-date) -> i.d.R. 2 Banktage vor Begin der Zinsperiode (GBP taggleich)
    Zinsperiode -> wie Variabler Index (z.B.Libor), Ausnahmen möglich
    Zahlungsfrequenz -> am Ende jeder Zinsperiode (Ausnahme: EONIA-Swap)
    Zinszahlungsberechnung -> Money Market Terms
  • Feste Zinszahlung
    Zahlungsfrequenz -> bei Abschluß frei vereinbar; i.d.R. EURO+CHF jährlich;
    USD/GBP/JPY halbjährlich üblich Zinszahlungsberechnung -> Usancen des jeweiligen Kapitalmarktes
  • Netting -> nur Zahlungen, die auf den gleichen Termin fallen, werden üblicherweise genettet
  • "Asset-Swap"
    aus Sicht des Investors, auch Aktivswapgenannt
  • "Liability-Swap"
    unter Betrachtung der Refinanzierungsseite, auch Passivswapgenannt
    hierbei Betrachtung, ob Aktiv oder Passivgeschäft (Grundgeschäft) verändert werden soll

4.2.5.1.2 Anwendungsbeispiele:

    Umstieg von einer variablen auf eine feste Refinanzierung -> Festzinszahler-Swap/Liablitity-Swap
    (siehe Beispiel in Basics-Ordner)
    Umstieg von einer festen auf eine variable Refinanzierung -> Festzinsempfänger-Swap/Liablitity-Swap
    Umstieg von einer variablen auf eine feste Anlage (Forderung) Roll-over Kredit + Festzins-Emmission
    Umstieg von einer festen auf eine variable Anlage -> Festzinszahler-Swap/Asset-Swap

    Libor-Spread = Kunde X zahlt über emittierte Anleihe 5% fest
    Kunde tauscht fest gegen variabel 5,2% gegen Libor
    X zahlt  5,0
    X erhält 5,2
                0,2
    in diesem Beispiel finanziert sich X mit Libor –20 bp

    Kredit-Arbitrage/Ausnutzung komparativer Vorteile(Theorie von David Ricardo) [BEISPIEL  Bild 1 / Bild 2]
    Entscheidend sind die relativen Unterschiede der Zinsen der beiden Partner in verschieden Märkten
    (Festzins <> Variabel) Gesamtnutzen ergibt sich aus den unterschiedlichen Zugängen zu den
    verschiedenen Märkten

4.2.5.1.3 EONIA-Swap (Overnight Index Average Swap) F15

    Möglichkeit Zinsbindungen kurzfristig zu variieren
    und das Risiko schwankender Tagesgeldsätze zu minimieren

  • Funktionsweise
    wie Kapitalmarkt-Swap; variabler Satz wird im nachhinein aus während der Laufzeit täglich im Rahmen des
    EONIA-Fixing ermittelten Tagesgeldsätzen berechnet
    Berücksichtigung des Zinseszinseffektes durch Berechnung über Effektivzinsformel
    F15
  • Kontraktspezifikationen
    Geldmarkt-Swap mit frei wählbarer Laufzeit (2 Tage - 12 Monate)
    Start i.d.R. 2 Handelstage nach Abschluß
    Zahlungsdatum am Laufzeitende, Netting
    Zinsberechnung auf Euromethode (ACT/360)

4.2.5.1.4 Mark-to-Market Bewertung und Pricing

    Bewertung über Barwert von implizierten Forwardsätzen/ FRA Berechnung über Zeros

    Anwendungsbeispiel:
    Absicherung einer Kundeneinlage (zu Tagesgeldsatz für 1 Woche) gegen steigende Tagesgeldsätze

4.2.5.2 Währungsswap (Currency-Swaps, CrossCurrency-Swap)
           s.a. Weltbank und IBM

    Definition

  • Austausch von unterschiedlichen, spezifizierten Zinszahlungen in verschiedenen Währungen,
    sowie
    separaten Anfangs- und Schlußtransaktionen (Währungstausch)
  • "Notional Amount" wird i.d.R. ausgetauscht
  • Fixierung des Devisenkurses aller Währungstransaktionen bei Geschäftsabschluß
  • eng verwandt mit Devisenswap, Unterschied: zusätzlich zu Kapitaltausch findet ein Tausch von Zinsen statt
  • Laufzeit i.d.R. länger als 1 Jahr
  • Forward-Outright ->Terminkurs für die Schlußtransaktion (Final Exchange), abweichend von Initial
    Exchange (ähnlich den Devisenswaps)
  • Par-Value-> Anfangs-(Initial Exchange) und Schlußtransaktion (Final Exchange) zum selben Kurs fixiert
    (meist Spot)
  • Man erhält die Zinsen der Währung, welche man in der Anfangstransaktion gezahlt hat

    Arten

  • Fest gegen Fest
  • Fest gegen Variabel
  • Variable gegen Variabel

    Einsatzmöglichkeiten

  • Absicherung von Zins- und Währungsrisiken
  • Ausnutzung von Kostenvorteilen durch unterschiedliche Spreads in zwei verschiedenen Kapitalmärkten
    (Komperative Vorteile, nach David Ricardo siehe 4.2.5.1.2 Abs.5)

4.2.5.4 Schließen von offenen Swappositionen

    Reversal
    üblichste Art, Abschluß eines zweiten gegenläufigen Zinsswap mit anderem Partner, EK & Limitbelastung

    Closing-out
    vorzeitige Beendigung, Zahlung der Differenz zu aktuellem Marktpreis

    Assignment
    Weitergabe an Dritten, Zustimmung notwendig, Up-Front-Zahlung bei Marktsatzänderung

4.2.6.2 Zinsoptionen CAP´s (Basis FRA’s)

    Vereinbarung über eine fixierte Zinsobergrenze

    Übersteigt der Referenzzinssatz (z.B. LIBOR) den Strike-Price zu vorher festgelegten Zeitpunkten, so
    zahlt der Verkäufer die Differenz, liegt er darunter findet keine Zahlung statt

    Anwendung
    eine Art der Versicherung gegen steigende Zinsen (für den Käufer)
    bei Zinsrückgang jedoch unbegrenztes Gewinnpotential

    Quotierung
    als Optionsprämie in %, Einmalzahlung bei Abschluß (d.h. zur Vergleichbarkeit zu annualisieren, d.h.
    Prämie / Anzahl der Jahre)

    Preisfindung
    Technisch: Serie von Optionen mit zunehmender Vorlaufzeit auf 3- oder 6 Monats-Zinssätze eines FRA = Termingschäft auf zukünftigen Geldmarktsatz
    -> CAP= Serie von Optionen auf gekaufte FRA´s (Absicherung gegen steigende Zinsen)
    d.h. die Serie der FRA´s ist somit der Basiswert des CAP´s und dient zur Ermittlung des inneren Wertes
    Innerer Wert = Basis (s.o.) minus aktueller Wert der FRA-Serien

    Anwendungsbeispiel
    feste Refinanzierung bei Erwartung fallender Zinsen -> variable Refi + Kauf CAP
    max. Kosten Strikeprice + annualisierte Kosten der Option
    wenn Referenzsatz > Strikeprice = Ausübung

4.2.6.3 Zinsoptionen FLOOR´s (Basis FRA’s)

    Vereinbarung über eine fixierte Zinsuntergrenze (Gegenstück zum CAP)

    Anwendung
    Unterschreitet der Referenzzinssatz (z.B. LIBOR) den Strike-Price zu vorher festgelegten Zeitpunkten,
    so zahlt der Verkäufer die Differenz, liegt er darüber findet keine Zahlung statt

    eine Art der Versicherung gegen fallende Zinsen (für den Käufer)
    bei Zinsanstieg jedoch unbegrenztes Gewinnpotential

    Preisfindung
    wie CAP, aber
    FLOOR = Serie von Optionen auf verkaufte FRA´s (Absicherung gegen fallende Zinsen)

    Anwendungsbeispiel

    feste Veranlagung bei Erwartung steigender Zinsen -> variable Anlage + Kauf FLOOR
    min. Ertrag Strike-Price + annualisierte Kosten der Option (wenn Referenzsatz < Strike-Price=Ausübung)

Anmerkung: Jede gekaufte Option als Absicherung einer bestehenden Position wird gekauft in der Hoffung,
das sie verfallen wird; nur so sind Zusatzerträge, auf die in der Basisposition spekuliert wurde, auch realisierbar.
Prämie wurde nicht umsonst bezahlt, da über die Option mit begrenztem Risiko spekuliert werden konnte.

4.2.6.4 Zinsoptionen Swaptions (Basis IRS)

    Definition
    Recht zu einem festgelegten Zeitpunkt in einen Zinsswap mit fixierter Laufzeit, Zinssatz und Nominalbetrag einzusteigen
    d.h. Option auf einen festen Zinssatz ab einem bestimmten Datum

    Settlements
    Cash-Settlement -> Ausgleichzahlung, bei der der aktuelle Barwert des Swaps ausbezahlt wird physische
    Lieferung -> "geliefert" wird ein echter Zinsswap

    Einsatzbereiche
    in der Angebotsphase einer Projektfinanizerung
    zur Absicherung von in Zukunft fälligen Aktiva oder Passiva
    Quotierung -> als Optionsprämie, die eine Einmalzahlung bei Abschluß darstellt

    Preisfindung
    Basiswert stellt einen Zinsswap mit verzögertem Startdatum dar (Forward-Start-Swap)
    Innerer Wert = Basiswert minus aktueller Wert des Forwar-Swaps

    Anwendungsbeispiel
    Festzinsemission 5 Jahre, aber Meinung fallender Zinsen, Höchstzinssatz für die nächsten 5 Jahre sichern
    Call-Swaption kaufen
    Annualisierung der Optionsprämie ( Prämie in Prozent durch Anzahl Jahre)
    Liegt der Referenzsatz in 5 Jahren unter dem Strike
    -> Refinanzierungskosten = aktueller Marktsatz plus annualisierte Prämie
    Liegt der Referenzsatz in 5 Jahren über dem Strike
    -> Refinanzierungskosten = Strike-Price plus annualisierter Prämie

4.2.6.5 Collar

    Definition
    Kombination aus Kauf/Verkauf Cap und Verkauf/Kauf Floor mit dem Ziel, die kosten zu verringern

    Pricing
    Der Preis berechnet sich aus Differenz:
    + Prämie verkaufte Option
    - Prämie gekaufte Option

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Quelle: Finance Trainer

13.01.2002