7. Risiken im Devisenhandel

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[siehe auch Aufsatzvorbereitung Risikomanagement]

Risikoarten im Handel (Übersicht)

Marktrisiko

Kreditrisiko

Sonstige Risiken

Währungsrisiko Klassisches Kreditrisiko
Zinsrisiko Abwicklungsrisiko
Aktienrisiko Wiederbeschaffungsrisiko
Sonstige Preisrisiken
Basisrisiko

Wandlung des Risikomanagement

stark wachsender Derivatehandel
modernere Ansätze in der Finanztheorie -> VAR-Ansätze
Schwankungsmöglichkeiten der einzelnen Risikopositionen
Korrelationseffekte/Liquiditätsrisiken/Kreditrisiko
Gesamtrisiko normalerweise kleiner als die Summer der Einzelrisiken
Risiko als wichtige Ertragsquelle der Banken

  • einerseits begrenzen
  • andererseits damit Geld verdienen

7.1 Risikoarten im Handel

7.1.1 Marktrisiko

Verluste offener Positionen durch Marktbewegung
Bestimmung offener Devisenpositionen
Klassisch -> einfache Aufaddierung der Positionen (Aktiva/Passiva/Zinsen/Kassa/Termin)
mit Barwerten -> Berücksichtigung der zeitlich unterschiedlichen Cash-Flows

7.1.1.2 Zinsrisiko

GAP-Analyse
stellt Überhänge der Kapitalbeträge in einzelnen Laufzeiten dar
mißt die Veränderung des Jahresergebnisses bei einer unterstellten Veränderung der Zinslandschaft
Übersichtlich und einfach zu Interpretieren
Verfeinerung durch zusätzliche Berücksichtigung der Zinsflüsse

7.1.1.3 Basisrisiko

Restrisiken aufgrund von Liquiditätsunterschieden und Marktunvollkommenheiten

7.1.2. Kreditrisiko

7.1.2.1 Klassisches Kreditrisiko

Verlust von Teilen oder des gesamten Kapitalbetrags
bei allen Aktivgeschäften
ausgenommen Off-Balance-Produkten

7.1.2.2 Abwicklungsrisiko ("Settlement-Risiko")

bei allen Tauschgeschäften
besonders bei Devisengeschäften ("Herstatt-Risiko")

7.1.2.3 Wiederbeschaffungsrisiko

bei Ausfall eines Partners
Zusatzkosten bei der Wiederbeschaffung im Markt

  • Laufzeitmethode
    Abhängig von der Laufzeit, bestimmter %-Satz des Nominalbetrags als Risikowert
  • Mark-to-Market-Ansatz
    aktuelle Marktwert der einzelnes Position (nur positive Marktwerte) plus Aufschlag -> VAR-Ansatz
  • Sonstige Risiken
    Operationales-/Rechtsrisiken/Politische/Image-/Kriminelle Risiken

7.2 Risikomanagement (Ermittlung des Marktrisikos)

7.2.2 Traditionelle Methode

GAP-Methode -
p.a. Ergebnisveränderung bei einer unterstellten Zinsänderung
wegen Derivate und Mark-to-Market-Bewertung immer obsoleter

Durationsansatz
Markt-to-Market Veränderung bei geändertem Zinsszenarien
wesentlicher Nachteil: eine flache Zinskurve wird unterstellt !

Present Value of a Basis Point
Markt-to-Market Veränderung bei geändertem Zinsszenarien
Berechnung der Wertveränderung bei einer Zinsveränderung von 1 BP mit der Zero-Kurve

Risikomessung -> parallene Verschiebung der Zinskurve oder mit unterschiedlichen Zinszenarien

7.2.3 Modernere Methoden

Value-at-Risk-Konzept (VAR)
in absoluten Geldeinheiten gemessene negative Wertänderung einer Einzelposition oder eines Portfeulles, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit innerhalb eines festgelegten Zeitraumes nicht überschritten wird

Vorteil: unterschiedliche Risikoarten (Aktien-,Währungs- und Zinsrisiko) mit einer einheitlichen Meßvorschrift zu erfassen
Berücksichtigung von Diversifikationseffeten bei der Aggregation der Risikoarten

Exkurs: Wahrscheinlichkeitstheorie

Varianz-Kovarianz-Methode
Berücksichtigung von etwaigen Korrelationseffekten

Historische Simulation
modellunabhänige Methode
keine Annahmen über Verteilung, die Volatilität und Korrelationen (automatische Berücksichtigung historischer Korrelationen)

Monte-Carlo-Simulation
Simulations mit Hilfe eines Zufallsgenerators

Stochastischer Prozeß = Zufällige Veränderung des Wertes eines Zufallsgröße

Stress-Testing -> Simulation der Effekte extremer Marktkonstellationen und geänderte Annahmen. Es gibt keine vorgeschriebenen Vorgehensweisen

Back-Testing -> Realitätstest (Gegenüberstellung der prognostizierten VAR Werte und tatsächlich realisierte Verlußte)

7.2.4 Limite

abhängig von:
Risikotragfähigkeit der Bank -> eng verbunden mit dem Eigenkapital und dessen Struktur
allgemeine Risikoeinstellung der Anteilseigner

7.2.4.1 Kreditrisikolimite:

Partnerlimite -> Begrenzung des Gesamtengagements sowie der einzelnen Kreditrisiken (Settlement-, Wiederbeschaffungs- und Kreditrisiko)
Branchenlimite
Länderlimite

7.2.4.2 Marktrisikolimite

Gesamtbankpositionslimt
Erfassung des Risikos für die gesamte Bank
Umlegung auf einzelne organisatorische Einheiten (Zins-,Währung-,Aktien und sonstige Risiken)
weitere Unterteilung -> bis hin zu Produkt- und Händlerlimiten

Händlerlimite:
Overnight-Limit = Positionslimit
Intraday-Limit
Quotierungslimit
Stop-Loss-Limit
Laufzeit-mismatch-Limit
Instrumenten-/Laufzeitlimite

7.3 Kapitaladäquanzrichtlinie (KAR engl.CAD)

  • Allgemein

von der EU 1993 publiziert, ab Ende 1995 in allen EU-Staaten sukzessive eingeführt
im wesentlichen eine Ergänzung des Kreditrisikos um das Marktrisiko
Neu: Unterscheidung zwischen Bankbuch (strategische Positionen) und Handelsbuch

1. Bankbuch
EK-Unterlegungspflicht für Fremdwährungsrisko
Kreditrisiko seperat zu unterlegen

2. Handelsbuch
EK-Unterlegungspflicht für Fremdwährungsrisko
Eigenkapitalunterlegungspflicht für: Marktrisiko, Kreditrisiko und Abwicklungsrisiko

Bestandteile:
Eigenhandel in Finanzinstrumenten
derivative Instrumente in Verbindung mit Geschäften des Handelsbuches
Absicherung und Refinanzierung von Positionen des WP-handelsbuches
Pensionsgeschäfte, Wertpapierleihe des Handlesbuches
Übernahmegarantien für Wertpapiere

  • Ermittlung und Verwendung

Tier 1 Kernkapital
eingezahltes Stammkapital und freie Rücklagen
Tier 2 Ergänzungskapital
Aktien ohne Stimmrecht, nachrangige Titel Ursprungslaufzeit < 5 Jahre, Bewertungsreserven
Tier 3 zusätzliches Ergänzungskapital
nachrangige Emissionen > 2 Jahre und nicht realisiere Nettogewinne aus dem Handelsbestand
zusätzliche Grenzen:
Eigenkapitalanforderung aus dem Kreditrisiko muß mindestens 50 % aus Kernkapital abgedeckt sein
Eigenkapitalanforderung aus dem Marktrisiko muß mindestens 28,5 % durch das restliche Kernkapital abgedeckt sein

7.3.2 Kreditrisiko

Eigenkapitalbedarf = Adreßgewichtung * Risikowert * 8%

"spezifisches Risiko"
Eigenkapital für das Kreditrisiko im Zusammenhang mit den Positionen des Handelsbuches

0 % ->   Zentralregierungen und Zentralbanken der Zone A (OECD)
10 % -> Kreditinstitute der Zone A mit entsprechenden Sicherheiten
20 % -> Kreditinstitute der Zone A
50 % -> durch Hypotheken gesicherte Forderungen, Derivate bei 100% Kontrahenten
100 % -> alle anderen Aktiva der Bank

  • Risikowert

- Risiko bei Bilanzprodukten
- Wiederbeschaffungsrisiko
- Abwicklungs- und Lieferrisiko

Nettingvereinbarungen

Festlegung der Schuldverhältnisse aus Swap-, Termin- oder Optionsgeschäften in einem Schuldumwandlungsvertrag zum Entstehungszeitpunkt. Hoher technischer Aufwand!

Saldierung von allen offenen Forderungen und Verbindlichkeiten erst zum bestimmten Zeitpunkt (Kündigung, Insolvenz)

7.3.2.1 Risiko bei Bilanzprodukten

Bilanzpositionen des Bankbuches mit 100% anzusetzen
Sonderregelung im Handelsbuch:
Aktienpositionen: 4% Eigenmittel für die Bruttogesamtposition, Ausnahmen mit 2% (Daxwerte, <5% des Portefeuilles…)
"Qualifizierte Aktiva": reduzierte Unterlegung, abhängig von der Restlaufzeit
Gesamtunterlegungspflicht dann von 0,25%-1,60%

7.3.2.2 Wiederbeschaffungsrisiko für das Geschäft mit Derivaten

Ermittlung eines Kreditaquivalent, abhängig von Produkt und Rest- bzw. Ursrungslaufzeit
Marktbewertungsmethode -> Wiederbeschaffungswert bei positivem Wert * best. %-Satz (add on) * Adressgewichtung des Partners
Ursprungsrisikomethode (Laufzeitmethode) -> pauschale Ermittlung; Nominalbetrag * best. %-Satz * Adressgewichtung des Partners
Netting / Novation -> reduzierte Eigenkapitalunterlegung bei Aufrechnungsvereinbarung bzw. biliteralen Schuldumwandlungsverträgen

Abwicklungs- und Lieferrisiko

zusätzliche Eigenkapitalunterlegung
Geschäfte die vom Partner noch nicht abgewickelt wurden; geleistete Vorleistungen; Repos & Reverse Repos;
sontige Risiken (Gebühren&Provisionen)

  • Anmerkung:
    Börsengehandelte Kontrakte erfordern nach den BIZ-Regeln der Kapitaladäquanz keine Kapitalunterlegung.
    Die Kapitaladäquanzrichtlinie versteht als spezifisches Risiko den Eigenkapitalbedarf für das Kreditrisiko.
    Dieser Eigenkapitalbedarf hängt vom Adreßrisiko ( = Bonität des Vertragspartners) und dem Risikowert des
    Produktes (0,5% bis 100%) ab.

7.3.3 Marktrisiko

hierbei wird unterschieden zwischen

  • Währungsrisiko
  • Zinsrisiko und Aktienrisiko
  • Basisrisiko

7.3.3.1 Währungsrisiko

Gesamtgeschäft (Bank- und Handelsbuch)
Standardmethode:
Eigenkapitalbedarf = (Nettogesamtposition - Freibetrag von 2% der Eigenmittel) * 8%
reduzierte Anforderungen bei bestimmten Währungspaaren (fixe Parität,geringe historische schwankungen)
Statistische Methoden:
(Parameter: unterstellte Haltedauer 10 Tage; Verluste max. 5% bzw. 1% der beobachten historischen Fälle(5 bzw. 3 Jahre) höher als das berechnete Risiko)

7.3.3.2 Zinsrisiko

Eigenkapitalanforderung beschränkt sich auf das Handelsbuch (Bankbuch freigestellt)
Kategorien des Zinsrisikos:
* Basisrisiko -> unterschiedliche Instrumente, Kupons, Laufzeit innerhalb eines Laufzeitbandes
* Zinskurvenrisiko -> unterschiedlich Zinsänderungen in den einzelnen Laufzeiten
* Zinsniveaurisiko -> paralle Verschiebung der gesamten Zinskurve

Laufzeitbandmethode:

Berechnung der Nettoposition pro Instrument pro Laufzeitband
Nettoposition pro Laufzeitband

Zone 1 -> 0-12 Monate(0-,07%). Zone 2 -> 1 - 4 Jahre(1,25%-2,25%), Zone 3 -> ab 4 Jahre(2,75%-6,0%)
EK-Unterlegung:Risikogewichtung je nach Laufzeit, Kompensation innerhalb der Laufzeitbänder, Zonen, zwischen benachbarten Zonen, zwischen Zone 1 und 3 = verbleibende Restposition zu 100% Eigenkapitalbedarf

Durationsmethode:
Unterschied zu Laufzeitmethode in der Risikogewichtung -> anhand der modifizierten Duration pro einzelne Position
unterschiedliche Berechnung der Kompensation in den verschiedenen Zonen
in Zone 1 1%, Zone 2 0,85%, Zone 3 0,70% MD
Sensivitätsmodelle: -> Bewertung der Cash-flows mit der Zero-Rendite (muß genehmigt werden)

7.3.3.3 Aktienrisiko

Standard-Instrumente sowie Derivate
nur bei Positionen des Handelsbuches zusätzliche Unterlegung des Marktrisikos
Allgemeines Positionsrisiko (Marktrisiko = 8 % der Nettogesamtposition)

Gesamt-Kunde max 25% des hEK
Gesamt gg. Mutter max 20% des hEK
Summe max. da 8-fach des hEK
(Anmerkung zur Positionsberechnung)
Derivate -> wie Positionen in den Basiswerten (Zins/Aktien)
Opitionen -> mit ihrem Delta zu gewichten (Währung/Zins/Aktien)

7.3.5 Vorschlag des Baseler Komitees zur Eigenkapitalunterlegung der Marktrisiken

Höhe des benötigten EK zur Abdeckung der Marktrisiken, der höhere Wert von:
durchschnittlicher Risikowert der letzten 60 Tage * 3
Risikowert des Vortages

Bei internen Modellen dürfen Banken Korrelationen innerhalb und zwischen Risikokategorien berücksichtigen (sofern diese hinreichend zuverlässig sind)
Die KAR erlaubt die Anwendung interner Modelle zur Ermittlung des Marktrisikos. Dabei werden drei quantitative Parameter vorgegeben und im Bezug auf qualitative Kriterien gewisse Anforderungen gestellt.
Die drei quantitativen Parameter sind:

  • eine unterstellte Haltedauer von 10 Tagen,
  • ein historischer Beobachtungszeitpunkt von einem Jahr
  • ein einseitiges Konfidenzintervall von 99%

Handbuch Derivativer Instrumente
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Quelle: Finance Trainer

13.01.2002